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Radsport und was man daraus lernen kann! Drucken
Der Radsport ist vielfältig wie alles Komplexe. Die Tour de France so sagen die Rennfahrer, sei  „das ganze Leben in drei Wochen“.

Himmelhoch jauchzend, voller Freude und mit viel Energie begegnen sich Teamkollegen nach Erfolgen – bei Niederlagen herrschen Trübsal, Zweifel und Bedauern.

Das körperliche und vor allem seelische Auf und Ab bei den dreiwöchigen Landesrundfahrten durch Italien, Frankreich oder Spanien macht aus dem Sportler oftmals einen Zweckphilosophen. Nicht etwa weil dieser es will, sondern aus der Notwendigkeit heraus an seinen ihm unlösbar scheinenden Problemen nicht zu zerbrechen.

Man kann den Radsport auch als eine Schule fürs Leben bezeichnen – schon früh lernt man dass vor den Erfolg harte Arbeit gestellt wird, und wer das schon im Teenageralter verinnerlicht, der ist besser auf die harte Realität vorbereitet als manch anderer.

Die einzelnen „Disziplinen“ des Straßenradsports kann man grob in die folgenden 6 unterteilen – und aus allen lernt man etwas, das auch im täglichen Business gefordert ist.


•    Sprint - Schnelligkeit und Timing
•    Zeitfahren - Fokus und Motivation
•    Bergetappen - Qual und Überwindung
•    Sturz - Nicht Aufgeben und Schmerzen ertragen    
•    Klassiker - Stehvermögen und Erfahrung
•    Training - Konsequenz und Konstanz


SPRINT – Schnelligkeit und Timing

Mit Schnelligkeit ist in diesem Fall nicht nur die Geschwindigkeit gemeint, mit der man sein Rennrad in Richtung Ziellinie bewegt, es ist vielmehr die komplexe Schnelligkeit des Athleten.

Natürlich muss ich die Kraft und Ausdauer haben eine langen Sprint auch durchzustehen, aber vor allem muss ich schnell darauf reagieren, was die anderen (meine Gegner!) tun.

Bei einem verschleppten Sprint muss ich warten, aber wie lange? Was passiert wenn auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Rennfahrer den Sprint unerwartet früh eröffnet? In Sekundenbruchteilen muss eine Reaktion kommen – und um in einem Weltklassefeld zu gewinnen, muss diese Reaktion die richtige sein, sonst bin ich geschlagen und bestenfalls erster Verlierer. Die Gabe Situationen einzuschätzen, vor allem die Stärke des Gegners genau zu kennen, das hilft beim Sprint ungemein – wenn das Timing jedoch nicht stimmt, dann kann man auch als stärkster Fahrer verlieren, oder als schwächerer gewinnen - weil der  Gegner einen Fehler gemacht hat – aber darauf sollte man nicht warten!

Auch wenn man nicht der Allerbeste ist kann man gewinnen, aber die Wahrscheinlichkeit ist  gering –  dadurch, dass man auf die Fehler anderer angewiesen ist, hat man das Heft des Handelns letztlich nicht mehr in der Hand.

Also lieber bei Topleistung (Schnelligkeit) in wichtigen Momenten die richtige Entscheidung treffen (Timing), dann wird’s auch was mit dem Siegen!


ZEITFAHREN – Fokus und Motivation

Das tückische am Zeitfahren ist, dass der Gegner unsichtbar ist und bleibt!

Man ist quasi alleine gelassen mit dem inneren Schweinehund und vom Start bis ins Ziel warten enorme körperliche Schmerzen auf den Athleten.

Wer auch nur Sekundenbruchteile sein persönliches Ziel für die Etappe oder gar das „big picture“, beispielsweise den Gesamtsieg bei einem wichtigen Etappenrennen aus den Augen verliert – der hat meist schon verloren.
Die Sekunden verrinnen immer gleich schnell, egal wie hart man in die Pedale tritt.

Natürlich ist eine enorme physische Fitness Grundvoraussetzung für einen Zeitfahrsieg, aber der psychologische Faktor spielt hier eine Schlüsselrolle.

Man muss versuchen die Schmerzen mental zu rechtfertigen – beispielsweise mit dem Ziel des großen des Sieges. Gerade bei langen Zeitfahretappen, wenn man eine Stunde und mehr am Leistungslimit fährt, dann ist der Fokus auf den unmittelbar vor dem Rennfahrer liegenden Streckenabschnitt das wichtigste, aber trotzdem muss er wissen was danach kommt um sich homogen und so schnell wie möglich durch die Etappe zu bewegen. Eine zu schnelle erste Hälfte kann sich im Finale rächen, deshalb ist hier die Streckenkenntnis unumgänglich um am Ende zu Siegen! Sich diese selbst anzueignen, auch dazu muss man sich motivieren!

So eine spezielle Prüfung ist vor allem Erfahrungssache! Je häufiger man sich lange Zeitfahren richtig eingeteilt (und eventuell sogar gewonnen hat) desto besser fühlt man sich, denn schließlich hat man schon den Beweis angetreten, dass man es kann! Ist dann die Form gut, steht einer Wiederholung des einmal Erreichten nichts entgegen – außer ein wohlmöglich sehr viel stärker gewordener Gegner.


BERGETAPPEN – Qual und Überwindung

Mit Qual ist hier das körperliche Leiden gemeint. Das Gefühl bei Bergetappen im Hochsommer nur Feuer in die brennenden Lungen einzusaugen, die vom salzigen Schweiß beißenden Augen und die Muskelschmerzen die sich nach 5 oder gar 6 Stunden am letzten Anstieg einstellen, wenn man eigentlich schon im roten Bereich ist und doch die Attacke des Gegners kontert – das ist für „normale“ Menschen schier unvorstellbar. Genau wie es für einen aktiven Radprofi unvorstellbar ist, das Topmanager wochenlang 80 Stunden und mehr mit diversen Meetings, schweren Entscheidungen und hunderten von Telefonaten durchhalten ohne dass die Sicherung heraus springt.
Der Mensch ist im Stande sich an alles zu gewöhnen, allerdings wird ein Athlet der als Sprinter geboren ist, also eine genetische Körperbeschaffenheit hat, die mit mehr kurzen schnellen Muskeln als langen ausdauernden ausgestattet ist, niemals ein ausgewiesener Bergfahrer werden. Bei der Spezialisierung die im Sport wie in der Wirtschaft stattfindet, wird es immer jemanden geben der, genau so gut trainiert ist wie man selbst, aber genetisch einen kleinen Touch besser weggekommen ist – und der wird im Zweifelsfalle den Sieg davon tragen.
Die Sprinter, die die Berge hassen, müssen noch mit einer ganz anderen Herausforderung kämpfen:
Sonst siegverwöhnt, müssen sie sich zwar genau so quälen wie die Bergfahrer – nämlich fast immer zu 100%, um das Zeitlimit zu erreichen.

Der Unterschied ist aber, dass sie die Schmerzen länger ertragen müssen, denn die Rückstände der Sprinter bewegen sich oftmals in der Größenordnung von einer halben Stunde und mehr!

Gleichviel Schmerz, aber für viel länger, und nicht der kleinste Motivationsstreifen am Etappenhorizont wohlmöglich ein gutes Ergebnis einzufahren – der Sprinter ist in den Bergen arg gebeutelt, lässt sich aber durch einen gewissen Weitblick nicht beirren: Wer auf den Champs Elysées gewinnen will, der muss auch die die Berge überwinden, und das ist Quälerei – für alle!


STURZ – Nicht aufgeben und Schmerzen ertragen.

Auch hier sind wir wieder bei Schmerzen, allerdings bei einer Art von Schmerzen wie sie im normalen Arbeitsalltag nicht vorkommen sollten.

Wer stürzt, der kann auch sterben (wie mein Freund Andrei Kivilev 2002), oder so schwer verletzt sein, dass an eine weitere Karriere nicht zu denken ist (wie ich selbst im August 2000).

Meist sind Stürze aber „nur“ mit einigen Einschränkungen und mit erschwerten Arbeits- und Erholungsbedingungen verbunden. Man kann nachts auf meist nur auf einer Seite schlafen, die sonst vertrauten Pedalumdrehungen, sowie die Erschütterungen auf er Straße bereiten Schmerzen – all das sind erschwerte Bedingungen wie ein abgestürztes Computersystem, oder der Diebstahl des Handys wenn man gerade auf einen extrem wichtigen Anruf wartet.

Trotzdem wird das Ziel bis zum endgültigen Verfehlen weiter anvisiert! „Aufgeben gilt nicht“ Erst wenn der Schaden größer ist als der Nutzen, dann kann, ja muss man so weh es auch tun mag, die vernünftigste Entscheidung treffen – auch wenn man sie nur schwer akzeptieren mag.
Im Sport hat das vor allem etwas mit Gesunderhaltung des Sportlers zu tun, und im Business ist es oft ein finanzielles Abwägen.

Alles was man unter den erschwerten Bedingungen geleistet hat kann trotzdem zu einem erfreulichen Ergebnis führen. Vielleicht war es die unter Aufbringen der letzten Kräfte vom Teamwagen geholte Trinkflasche für den Teamkapitän, der dann die Etappe gewann, obwohl man selber nicht ins Ziel kam.


KLASSIKER – Stehvermögen und Erfahrung

Die großen Eintagesrennen heißen Klassiker, weil sie zum einen schon lange im Rennkalender Bestand haben, und zum anderen, weil sie nur ein Fahrer mit „Klasse“ gewinnen kann. Bei Distanzen zwischen 250 und fast 300 Kilometern, und den übrigen Schwierigkeiten sind sie nur mit den oben genannten Qualifikationen zu gewinnen!

Ob grausames Kopfsteinpflaster, steile Anstiege in schneller Folge oder extrem harte Berge – nur wer zum Finale hin, wenn bei den meisten der Tank leer ist, noch zusetzen kann, wird ganz oben auf dem Treppchen stehen! Wann es wichtig ist all seine Energie in einen Zwischensprint zu legen, um gut positioniert in einen Pflastersektor oder einen anderen taktisch wichtigen Streckenabschnitt hineinzukommen das setzt einiges an Erfahrung voraus.
Man spart trotz des Energieinvestments zur richtigen Zeit weitere Kraft wenn man damit Stürzen und schwächeren Fahrern aus dem Weg gehen kann. Die klassischen Rennen wie Paris – Roubaix oder die Flandern Rundfahrt lesen und verstehen zu lernen, alle wichtigen Streckenabschnitte in und auswendig zu kennen, gar die Windrichtung nach den neuralgischen Passagen zu kennen, das erfordert eine langjährige Erfahrung. Auch zu verstehen wie der eigene Körper auf die Strapazen reagiert, wie das Gesicht des ärgsten Konkurrenten zu deuten ist, dafür muss man lange im Geschäft sein und das alles schon sehr, sehr oft mitgemacht haben.

Wenn es am Ende aussichtslos scheint, kann die Attacke mit „dem letzten Korn“ zum Sieg führen, denn wer sagt, das es der Konkurrenz besser geht als einem selber?

Immer wieder alles versuchen – lieber selbstbewusst sagen: Ich hab ALLES versucht, aber der andere war besser, als mit sich hadern wegen des nicht versuchten Angriffs im Finale, wenn man dann  (auch!) nicht gewonnen hat!


TRAINING – Konsequenz und Konstanz

Es gibt ein kölsches Sprichwort, das heißt „vunn nix kütt nix“ und das trifft den Nagel ganz genau auf den Kopf.
Nur wer bereit ist sich auf große Aufgaben perfekt vorzubereiten, und das täglich im notwendigen Maße, nur der wird am Ende triumphieren.

Gerade bei Radsportlern wird die Eigenverantwortung sehr groß geschrieben. Es wird selten im Team trainiert, jeder Profi trainiert dort, wo er mit seiner Familie wohnt. Darum erfolgt selten eine ganz genaue Trainingskontrolle – die findet dann bei den Radrennen statt, und spätestens dann wissen alle (auch der Sportler!) wie gut er sich eigenverantwortlich vorbereitet hat.

Sind die Resultate schlecht, muss der Athlet damit rechnen, für das kommende Jahr keinen neuen Vertrag zu bekommen – somit ist das mit dem Traumjob verdiente tägliche Brot auch ein Anreiz sich konsequent auf die sportlichen Ziele vorzubereiten.

Die wissenschaftliche Trainingslehre hat gezeigt, dass gerade die Konstanz das Wichtigste ist. Wer immer an sich arbeitet, keinen Tag nachlässt und fortwährend das gerade Notwendige tut, der wird weiterkommen! Das gerade Notwendige, kann auch man ein Innehalten sein, ein Ruhetag im Training ist manchmal zwingend gefordert! Wer diese „Pausen“ effektiv nutzt, um neue Energien zu sammeln, der wird nach dem wissenschaftlichen Trainingsprinzip der Superkompensation danach stärker als vorher zurückkommen – mit neuem physischen Elan und vor allem einer erstarkten mentalen Kraft, die sich während der Belastungsphase nach und nach erschöpft hatte.