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"J?ngst entschl?sselte Abbildungen" Drucken
Liebe Radsportfreunde,

hier eine Stellungnahme zu den "jüngst entschlüsselten Abbildungen" (Süddeutsche vom Montag, 09.07.2008) im neun Jahre alten Buch von Festina Masseur Willy Voet, in dessen Mittelteil Kopien von Kalendern und Listen mit Namen zu sehen sind.

Die von Voet aufgeschriebenen Dopingdosen habe ich nie erhalten – andere übrigens auch nicht!

Ich kann mir nur vorstellen, dass er diese Dosen aufgeschrieben hat, um sie mit der Teamleitung abzurechnen - was damit tatsächlich passiert ist, weiß ich nicht.

Laut seinen Abrechnungsblättern hat sich auch ein Fahrer in einem Zeitraum von fast neun Monaten jeden zweiten Tag eine Ladung EPO gespritzt – vom 30.1. bis zum 17.10 insgesamt 101 x 2000 Einheiten und 14 x 4000 Einheiten.

Das ist doch Wahnsinn, ich glaube kaum, dass jemand so was überleben könnte… dazu sollte man mal einen Spezialisten befragen Jemand, der mit einer so unglaublich großen Ladung von Dopingmitteln erwischt wird, die selbst für ein ganzes Team als zu viel erscheint, und der dann auch noch Amphetamine dabei hat – dem darf man getrost auch zutrauen, seine EPO Abrechnungen zu frisieren.

Ich kann nach inzwischen über zehn Jahren meine Unschuld nicht beweisen. Aber als Radprofi, sei es als aktiver oder ehemaliger, steht man in der heutigen Zeit unglücklicherweise unter Generalverdacht.

Die Glaubwürdigkeit jener jedoch, die mit Ihren - sicher in großen Teilen wahren Enthüllungen - Geld verdienen, scheint kaum jemand in Frage zu stellen. Erst kürzlich verlautete Rudy Pevenage, er wolle auspacken – warum? Braucht er Geld?

Gibt es für mehr Infos, eventuell auch für hinzu gedichtete, auch mehr Geld?

Ich kann mir das gut vorstellen, aber den Leuten, die nun über diese Enthüllungen berichten, stünde ein kritischer Umgang mit diesen Informationen gut zu Gesicht.

Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Parametern, die meine Position nie gedopt zu haben, sehr plausibel untermauern.

Das sind zum einen meine Blutwerte aus dieser Zeit - ich habe noch einige Analyseergebnisse in einem Ordner bei mir zu Hause, alle mit unauffälligen Werten. Der 1997 neu eingeführte Grenzwert für das Hämatokrit betrug übrigens 50%, auch ein Grund dafür, dass ich ab dieser Zeit häufiger mit dem großen Fahrerfeld auf die Zielgerade kam und um den Sieg sprinten konnte.

Diese Blutwerte sind auch bei den Gesprächen über einen neuen Vertrag als Radsportexperte der ARD auf den Tisch gekommen.

Bei 12 Teilnahmen an den großen Rundfahrten bin ich nur fünf Mal ins Ziel gekommen – sieben Mal blieb ich auf der Strecke und meine Etappensiege fuhr ich fast immer am Anfang der großen Rundfahrten raus.

In der letzten Woche habe ich regelmäßig extrem abgebaut und die Ziellinien in Mailand, Madrid oder Paris oftmals nicht gesehen - mit EPO wäre das wohl nicht passiert!

Die immerfort anhaltende Diskussion um Doping im Radsport ist sicherlich gerechtfertigt, wenn nun aber in ein und demselben Artikel diese Abrechnungslisten aus Voets schon 1999 erschienenem Buch einmal „in Voets klarer Schrift“ verfasst sind, aber kurz vorher als „erst jüngst entschlüsselte Abbildungen“ bezeichnet werden, dann frage ich mich, warum es dann neun Jahre gedauert hat, diese klaren Schriften zu entschlüsseln, zumal ich mich zu diesen Dingen schon damals ausführlich geäußert habe.

Ich wünsche dem Radsport alles Gute und allen Fans eine sportlich ereignisreiche Tour de France ohne Skandale – und das gleiche auch allen Beteiligten für die Olympischen Spiele!

mw
 
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